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01.11.2010 11:40 Alter: 2 Jahre
Kategorie: FB Veranstaltungen
Von: Kai Osthoff

Jura der Schaufelraddampfer

Als ich vor wenigen Wochen die Einladung zu einem Tauchgang an der Jura erhalten habe, konnte ich mein Glück kaum fassen. Hatte ich mir ein Tauchgang an der Jura die letzten Jahre immer wieder vorgenommen!


Die Antwort hatte Holger als unser Organisator prompt. Nun musste ich nur noch warten, vier Wochen können ganz schön lang sein.

Am Samstag war dann endlich Tag "Null". Nach einer ausführlichen Vorbereitung, inklusive der Herstellung eines "Best-Mix" für den Tauchgang auf 38 Meter konnte es losgehen.

Die etwas weitere Anfahrt aus Affalterbach bescherte mir einen Wecker der bereits um 6:00 Uhr im Schlafzimmer rumbrüllte. Entschädigt wurde ich mit einem grandiosen Sonnenaufgang auf der Strecke nach Bottighofen in der Schweiz.

Um 9:45 Uhr hatten wir uns in Bottighofen auf einem Parkplatz verabredet. Das vorbereiten und anlegen der Tauchausrüstung ging schnell von der Hand. Alles erfahrene Taucherinnen und Taucher, die dem Reiz der Jura erlegen sind. Für ein größeres "Schwätzchen" war auch keine Zeit, denn um 10:30 Uhr war die Abfahrt mit Jura-Hans vereinbart. 10:30 Uhr: Einsteigen und losfahren!

Etwas gewundert habe ich mich dann schon. Eine kleine "Nussschale" und augenscheinlich ohne besondere technische Hilfsmittel waren wir nach wenigen Minuten am Tauchplatz. Wie zum Henker findet Hans denn nun seine Jura? Egal! Kurze Information über Tauchzeiten, Einstieg und Ausstieg und schon war ich im Wasser.

Benjamin vom Vfl Sindelfingen und ich bildeten ein Tauchteam. An der Bojenleine ging es dann abwärts zum Schaufelraddampfer Jura. Das abtauchen war quasi ein Bad in tanzenden und aufsteigenden Blasen. Offensichtlich waren direkt an der Leine gerade mehr als zwei Taucher nach unten unterwegs. Der Abstieg von 38 Meter lässt viel Zeit zum nachdenken. Hoffentlich ist die Sicht gut, werde ich den Raddampfer überhaupt entdecken können? Was für Details wird man aus der Zeit von 1864 sehen können?

"Eine Reise in die Vergangenheit."

Wenige Sekunden später vorbei die Zeit der Ungewissheit. Direkt am Wrack angekommen konnte ich zwar das Wrack nicht komplett überblicken, aber einen kleinen Bereich mit den Erzählungen, Informationen aus dem Internet und der eigenen Vorstellungskraft vermengen.

Schnell konnte ich das hart eingeschlagene Ruder sehen. Ein stiller Zeitzeuge des wohl letzten Versuchs dem "DS Stadt Zürich" auszuweichen - vergeblich! Das Vorschiff der Jura wurde aufgerissen.

Innerhalb nur vier Minuten, so erzählten Zeitzeugen ist die Jura am 12. Februar 1864 versunken. Dabei ist der Nebelausgucker der Stadt Zürich, der Maschinist und eine Serviererin der Jura ums Leben gekommen. Die restlichen Besatzungsmitglieder und Gäste der Jura konnten sich auf das "DS Stadt Zürich" retten.

Deutlich war der "Radkasten" oder die "Klohäuschen" zu erkennen. Leider aber auch die Sammel- und Zerstörungswut diverser Gäste die bereits hier waren, sich aber nicht wie solche verhalten haben.

"Tauche wie dein Schatten und hinterlasse keine Spuren."

Was an diesem Zitat von F. Nagelschmidt, haben die Taucher vor mir hier nicht verstanden? Hoffentlich erinnern sich alle anderen die heute und in Zukunft diese Zeitreise unternehmen nicht nur an das Zitat, sondern kämpfen auch für deren Umsetzung!

Nahezu geräuschlos schweben wir nun über das Deck zurück Richtung unserer Bojenleine. Ein letzter Blick an der Leine auf Computer und Luftvorrat und ...

"Err" - die letzten Worte eines Tauchcomputers!

Mein Computer ist direkt zu Beginn des Aufstiegs ausgestiegen. Ich konnte es nicht glauben und schaut noch ein zweites und drittes mal. Aber mein Computer zeigte nur noch "Err" auf dem Display.

Glücklicherweise hatte ich mir die Daten für "meinen Weg nach Oben" wenige Sekunden zuvor noch gemerkt. So konnte ich Benni über den Ausfall meines Tauchcomputers informieren und wir konnten dennoch beide einen vernünftigen Aufstieg durchführen.

Deutlich bemerkte ich wie sich meine Atemfrequenz aufgrund dieses Vorfalls steigerte, hatten wir ja noch locker 35 Meter Aufstieg mit zwei Dekostops vor uns!

Noch einmal ein letzter langer Blick während des Aufstiegs auf die "Jura". Erstaunlich lange erlaubte uns der Bodensee noch einen Blick und immer größer erschien mir der Raddampfer. Wow!

Oben angekommen kamen mir die letzten Minuten bis zur Oberfläche ewig vor. Ohne den Computer auf den man sich doch so gerne Blind verlässt, verliert man doch schnell an Routine und gefühlter Sicherheit.

Danke Holger!

Für die Einladung, die Organisation und die wahnsinnig geniale Zeitreise. Ich bin mir sicher, in das Jahr 1864 werde ich noch häufiger "eintauchen". Die Eindrücke werde ich nicht so schnell vergessen und durch viele weitere Details ergänzen müssen!

Bis zum nächsten Mal!